Mit 25 denkt kaum jemand daran, dass er seinen Beruf vielleicht irgendwann nicht mehr ausüben kann. Statistisch ist das Risiko aber nicht klein – und die häufigsten Ursachen sind keine spektakulären Unfälle, sondern psychische Erkrankungen, Rückenleiden und andere Erkrankungen, die jeden treffen können, unabhängig vom Beruf.
Warum das Thema gerade in den ersten Berufsjahren wichtig ist, hat vor allem mit zwei Dingen zu tun: deinem Einkommen und deiner Gesundheit.
Deine Arbeitskraft ist dein größtes Vermögen
Rechne einmal grob nach: Wer mit 25 ins Berufsleben startet und bis 67 im Schnitt 45.000 € brutto im Jahr verdient, kommt auf rund 1,9 Millionen Euro Einkommen. Kein Depot und keine Immobilie ist in diesem Alter so viel wert wie die Fähigkeit, dieses Einkommen zu erarbeiten.
Fällt es weg, fehlt nicht nur das Gehalt von heute, sondern auch alles, was du daraus noch aufbauen wolltest: Vermögen, Rente, Eigentum.
Was der Staat zahlt – und was nicht
Die gesetzliche Rentenversicherung kennt keine Berufsunfähigkeitsrente mehr, sondern nur noch die Erwerbsminderungsrente. Den Unterschied solltest du kennen:
- Volle Erwerbsminderungsrente bekommt in der Regel nur, wer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann – und zwar in irgendeiner Tätigkeit, nicht nur im eigenen Beruf.
- Teilweise Erwerbsminderungsrente gibt es bei einer Leistungsfähigkeit von drei bis unter sechs Stunden täglich – sie ist entsprechend niedriger.
- Grundsätzlich müssen dafür bestimmte Mindestversicherungszeiten erfüllt sein. Für Berufseinsteiger gibt es Sonderregeln, der Schutz ist in den ersten Jahren aber oft gering.
Die Höhe richtet sich nach deinen bisherigen Beiträgen. Wer erst wenige Jahre arbeitet, hat entsprechend wenig angesammelt. Deinen aktuellen Stand findest du in deiner Renteninformation.
Warum der Zeitpunkt den Preis macht
Bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung hängt der Beitrag vor allem von drei Faktoren ab:
- Dein Beruf: Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten werden anders eingestuft als Bürotätigkeiten.
- Dein Eintrittsalter: Je jünger du beim Abschluss bist, desto günstiger ist in der Regel der Beitrag – und er bleibt über die gesamte Laufzeit auf dieser Basis kalkuliert.
- Deine Gesundheit: Vor dem Abschluss beantwortest du Gesundheitsfragen. Je nach Versicherer beziehen sie sich auf die letzten Jahre. Jede Diagnose, jede Therapie, jede längere Behandlung kann später zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder einer Ablehnung führen.
Gerade der dritte Punkt ist entscheidend: Gesund bist du heute. Ob das in fünf Jahren noch genauso ist, weiß niemand.
Worauf es bei einem guten Vertrag ankommt
- Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest.
- Nachversicherungsgarantie: Du kannst die Rente bei bestimmten Ereignissen – etwa einer Gehaltserhöhung, Heirat oder der Geburt eines Kindes – ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen. Wichtig, weil dein Einkommen in den nächsten Jahren wahrscheinlich steigt.
- Laufzeit bis zum Rentenalter: Eine Absicherung, die mit 55 endet, lässt die Jahre mit dem höchsten Risiko offen.
- Realistische Rentenhöhe: Die Rente sollte so hoch sein, dass du davon leben kannst – nicht nur symbolisch.
Ehrliche Antworten bei den Gesundheitsfragen
Die Gesundheitsfragen müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Falsche oder fehlende Angaben können im Leistungsfall dazu führen, dass der Versicherer nicht zahlt. Ein seriöser Berater hilft dir dabei, Unterlagen zu sortieren und bei Bedarf vorab anonym bei Versicherern anzufragen.
Gesundheitsdaten gehören übrigens nicht in ein Website-Formular. Wir besprechen sie ausschließlich im persönlichen Gespräch und nur, wenn sie für eine konkrete Absicherung nötig sind.
Was du heute tun kannst
- Schau in deine aktuelle Renteninformation, wie hoch deine Erwerbsminderungsrente heute wäre.
- Prüfe, ob du bereits eine Absicherung über deinen Arbeitgeber oder aus einem älteren Vertrag hast.
- Wenn du noch keine Absicherung hast: Lass dich beraten, solange Alter und Gesundheit auf deiner Seite sind.